Selbstverwaltung war von Anfang an ein Markenkern der deutschen Sozialversicherungen. Sie ermöglicht Demokratie in einem wesentlichen Bereich unseres Lebens, der Vorsorge und Absicherung von Lebensrisiken. Die Versicherten können durch ihre ehrenamtlichen Vertreter im Sinne der repräsentativen Demokratie Einfluss auf Eckpunkte der sozialen Sicherung nehmen. Vor allem geht es darum, dem Prinzip der Solidarität und Bedarfsorientierung auf dem Stand des wissenschaftlich-technischen Fortschritts Geltung zu verschaffen. Damit ist die Selbstverwaltung ein Motor für den notwendigen Ausbau des Leistungsspektrums der Sozialversicherungen und es wird sichergestellt, dass die Versicherten mehr sind als Marktkunden.

In der deutschen Sozialversicherung haben Versicherte umfangreiche Möglichkeiten zur Partizipation. Dies ist im internationalen Vergleich eine Besonderheit. Die ersten Sozialwahlen zur Selbstverwaltung fanden bereits 1913 statt. Nach der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten führte die Bundesregierung 1951 erneut ein Selbstverwaltungssystem ein. Wichtige Aufgaben im Bereich der sozialen Sicherung werden von einem genossenschaftlichen und vom Staat relativ unabhängigen Gremium wahrgenommen, in dem Vertreter derer mitwirken, die in die Versicherung einzahlen, – also der Beschäftigten und Arbeitgeber. Die Selbstverwaltung trägt dazu bei, soziale und ökonomische Ziele auszubalancieren.

Prof. Dr. Wolfgang Schröder

Prof. Dr. Wolfgang Schröder

Professor an der Universität Kassel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.